Die traditionellen und großen Fasnachten in Tirol

Einzigartig und untrennbar mit Tirol verbunden ist das Fasnachtsbrauchtum. Die Begeisterung der Teilnehmer ist kaum zu beschreiben und treibt ganze Dörfer in ein Virus. Schon im Spätsommer, vor dem großen Umzug, der nur alle drei bis fünf Jahre stattfindet, kennt man in diesen Gemeinden nur mehr ein Thema: Die Fasnacht! Nur so ist der Zusammenhalt einer ganzen Stadt oder eines Dorfes zu erklären und reißt Jung und Alt gleichsam mit. Frauen dürfen in den meisten Orten bis heute nicht mitmachen und trotzdem kommt ihnen mit dem Nähen der Gewänder eine besondere Aufgabe zu. Der Stolz, den schönsten Mann oder Sohn auszustatten, spielt dabei eine große Rolle. Wir tauchen in diesem Beitrag in das Geheimnis „Tiroler Fasnacht“ ein und bringen Ihnen die Umzüge in Telfs, Thaur, Fiss, Axams, Imst und Nassereith näher.

Axams
Axams
Telfs
Telfs
Nassereith
Nassereith
Fiss
Fiss

Das „Fisser Blochziehen“
Alle vier Jahre geht das Fisser Blochziehen über die Bühne, eine besonders originelle Fasnacht im Tiroler Oberland. Hier wird mit vereinten Kräften eine große, geschmückte Zirbe von den Masken durch den Ort gezogen. Schon Tage zuvor wird der lange Baumstamm auf drei Schlitten gelagert. Die Schnittstelle, welche sich vorne befindet, zeigt ein zungenzeigedes Gesicht. Von nun an wird der Baum streng bewacht, damit es am Fasnachtssonntag kein böses Erwachen gibt. Am Fasnachtssonntag springen gleich nach Mittag die trachtig gekleideten Scheller und die Mohrelen, samt dem Bajatzl durch den Ort. Im Anschluss ziehen alle Masken der Fisser Fasnacht, jedoch noch ohne Bloch, aber im Beisein der Musikkapelle durch Fiss. Wieder am Ausgangsort angekommen, gibt der Fuhrmann das große Zeichen, den Baum in Bewegung zu bringen. Die Hexen und der „Schwoaftuifl“ versuchen immer wieder den Bloch zu stoppen. Der Bajatzl springt dabei von Hausdach zu Hausdach, um die Zuseher mit Schnee zu bewerfen. Mehrmals kommt der Zug ins Stocken. Hinter dem Bloch folgen die Karner, der Brautwagen und eine Almhütte. Inzwischen helfen auch ein Bär, der eingefangen werden musste, und der „Miasmann“ (Moosmann) mit, den schweren Bloch zu ziehen. Doch der Bloch ist nicht mehr aufzuhalten, er verheißt eine gute Ernte.

„Wampelerreiten in Axams“
Die genaue Bezeichnung lässt es schon vermuten, dass es sich hier um ein gänzlich anderes Fasnachtsbrauchtum handelt. Wie jede Fasnacht, besitzt auch jene in Axams ihre Eigenheiten. Namensgebende Figur der Fasnacht sind die Wampeler, mit roten Röcken und weißen Hemden bekleidete Männer, die mit „Grummet“ (Heu) ausgestopft sind, dass den Oberkörper ein dicker Polster umgibt. Ein kleiner Umzug findet jedes Jahr am Unsinnigen Donnerstag statt, der große Umzug alle drei bis vier Jahre. Eine besondere Figur in Axams ist der Tuxer mit jugendlicher Larve. Er ist mit dem Fügenerhut und langen Seidentüchern ausgestattet. In den Händen trägt er eine „Goaßl“, mit der er mit gekonnten Schwüngen ein schnalzendes Geräusch erzeugen kann. Nicht vergessen dürfen wir den Axamer Bock, einen Ziegenbock, der ebenfalls am Umzug teilnimmt. Sein „Goaßer“ (Hirte) begleitet ihn und trägt das Gedicht vom Axamer Bock vor. Natürlich gibt es in Axams auch Hexen, Bären und verschiedenste Festwägen.

Schemenlaufen in Imst
Der größte Fasnachtsumzug in Tirol geht alle vier Jahre über die Bühne. Rund 900 Imster nehmen aktiv am Schemenlaufen teil. Offizieller Startschuss für die Imster Fasnacht ist der Dreikönigsfeiertag, wo nach Jahren des Wartens wieder der Fasnachtsmarsch ertönt. Noch am Abend halten Roller und Scheller ihre erste Probe ab. Am Vortag des Schemenlaufens werden am Stadtplatz die Festwägen, welche unter strenger Geheimhaltung errichtet worden sind, präsentiert. Der höchste weltliche Feiertag beginnt dann frühmorgens mit der traditionellen Fasnachtsmesse in der Pfarrkirche. Man gedenkt der Verstorbenen, an deren Gräbern man auch eine Kerze entzündet. Früh am Vormittag reiten die „Ausrufer“ mit Fanfarenbläsern durch die Stadt und verkünden, was man so alles am Tag des Schemenlaufens erlebt. Ab etwa halb zehn beginnt der Aufzug, mit Rollern, Schellern, Ordnungsmasken, Hexen, Festwägen uvm. von der Unterstadt in die Oberstadt zum Gasthof Hirschen, denn kurz vor 12:00 Uhr müssen dort alle Masken versammelt sein. Um zwölf, mit dem letzten Schlag der Glocke vom Kirchturm herunter heißt es für die Aktiven, die im Gasthaus eine kurze Rast gemacht haben, “Larven auf, es geht los!” Der Umzug beginnt, der Puls steigt auf 180, pure Emotion liegt in der Luft. Die Sackner, Spritzer, Kübelemaje schaffen Raum für die Hauptmasken Roller und Scheller, die bereits im Hintergrund auf ihren großen Auftritt warten. Zuschauer werden an den Rand der Straße gedrängt, damit die Roller- und Schellerpaare ihren Kreis bilden können, Hexen samt ihrer Musik formieren sich und auch die Bärenbande ist bereit für den Aufbruch. Die Stadtmusik spielt den populären „Fasnachtsmarsch“, dann ertönen die Schellen und das silberhelle Klingen der Rollen, die Fasnacht ist in vollem Gang. Langsam bewegt sich so der Zug wieder zur Unterstadt hin. Es wird sechs Uhr, Zeit fürs abendliche Betläuten. Alle, Maskierte und Publikum, sind am Stadtplatz versammelt. Noch einmal werden letzte Reserven mobilisiert, entlädt sich im Schlusskreis noch einmal die Energie aller Fasnachtler. Das sogenannte „Z’såmmschalle“ ist der furiose Schlussakt der Fasnacht. Alles ist in Bewegung, alles springt, tänzelt, dreht sich, juchzt und spielt. Die Fasnacht geht zu Ende. Am Montag dann die Fasnacht der Imster – ohne Larven, die strengen Regeln gelten nicht mehr.

Schleicherlaufen in Telfs
Nur alle fünf Jahre gehen die Telfer in ihre Fasnacht. Die älteste Erwähnung stammt aus dem Jahre 1571. Der erste Startschuss zur „Großen Fasnacht“ erfolgt fast ein Jahr vorher mit der Josefiversammlung. Am 26. Dezember treffen sich die Telfer dann zur Stefanieversammlung und am Dreikönigstag wird der Naz, das Symbol der Telfer Fasnacht, ausgegraben – Liebkind der Laninger und hunderter Männer. Bis zum großen Tag wird eifrig geprobt, genäht, gebaut und die Errichter der Festwägen lernen „Theaterstücke“ für ihre Aufführungen. Die Zeit vergeht wie im Nu und der Tag des Schleicherlaufens, auf den man so lange gewartet hat, ist da. Schon um sieben Uhr morgens geht die Sonne durch das Dorf und es wird um gutes Wetter gefleht. Bereits um 9:00 Uhr zieht die Musikkapelle mit den Wilden und den „Panz´naffn“, eine Telfer Eigenheit, durch den Markt. Inzwischen werden auch die Bären eingefangen und die namengebenden Schleicher per Kutsche zum Sammelplatz geführt. Dort beginnt um Punkt 11:00 Uhr der eigentliche Umzug, der durch die Herolde angekündigt wird. Ihnen folgen Musikkapelle, die vier Jahreszeiten hoch zu Ross und wiederum die Wilden. Dann folgen in einer langen Prozession die Schleicher, die sich an verschiedenen Orten zu einem Kreis versammeln. Erwähnenswert sind die prachtvollen Hüte der Schleicher. Die Schleicher vollführen einen mythisch anmutenden Kreistanz in altüberlieferter Schrittfolge. Im Inneren des Kreises bewegt sich, ebenfalls gemäß alter Überlieferung, eine Gruppe weiterer Figuren. Dann folgen die Bärenbande mit ihren exotischen Begleitern, die Laninger und die zahlreichen Wägen. Am Montag feiern die Telfer dann für sich.

Mullerlaufen in Thaur
In Thaur und den anderen sogenannten „Martha Dörfern“ hat sich das Brauchtum des Mullens mit seinen verschiedensten Figuren erhalten. In Thaur beginnt die Fasnacht erst am 15. Jänner, dem Romeditag, und endet nicht wie üblich am Fasnachtsdienstag sondern schon am Unsinnigen Donnerstag. Der große Mullerumzug findet alle drei bis vier Jahre statt und lockt tausende Schaulustige an. Den Umzug eröffnen Schnöller mit lautem Peitschengeknalle, bevor der Krameter, eine Figur in Wacholder gekleidet, Platz schaffen kann für die namengebenden Muller. Es folgen die Hexen, die mit ihren Besen das Publikum necken, aber auch Zuckerln an die Kinder austeilen. Der Klötzler, der mit vielen Holzschindeln gekleidet ist fällt besonders durch seinen Lärm auf. Nicht fehlen darf beim Mullerumzug auch die Musikkapelle. Zu den zentralen Gestalten der Fasnacht zählen die Altar- oder Spiegeltuxer, die aufgrund ihres markanten Kopfputzes nicht zu übersehen sind. Trotz des enorm schweren Kopfputzes schaffen es die jungen Männer, ihre Tänze aufzuführen. Gekleidet sind sie in kurze Lederhosen und Stitzln (wadenbedeckende Socken). Natürlich gibt es wie in jeder Tiroler Fasnacht auch Bären.  Eine besondere Figur ist die „Lall“, eine Spottfigur der Thaurer Fasnacht. Sie stellt eine Frau dar, die ihren Mann in einem Ruckkorb trägt.

Schellerlaufen in Nassereith
Alle drei Jahre findet wohl die farbenprächtigste Fasnacht im Alpentraum statt, das Nassereither Schellerlaufen. Startschuss ist der Dreikönigstag, der Patrozinumstag von Nassereith. Nach drei langen Jahren hört man auch hier das erste Mal die Schellen. Am Abend findet dann die Vollversammlung mit der Verlosung der einzelnen Rollen statt und der Fasanchtsobmann stellt die entscheidende Frage, ob man in die Fasnacht gehen sollte. Die Antwort war bis zum heutigen Tage immer „Ja“! Auch in Nassereith reagiert von nun an die Fasnacht und bis zum eigentlichen Umzug finden verschiedenste Aktivitäten statt. Das Schellerlaufen beginnt dann früher als jede andere Tiroler Fasnacht, nämlich um Mitternacht mit dem Umschalgen. Ein unorganisierter Lärmumzug, an dem ausnahmsweise auch Frauen mitmachen dürfen. Die Einheimischen erhoffen sich dadurch schönes Wetter. Um Punkt acht beginnt der Krach von vorn, diesmal wieder in Männerhand. Ab ca. 10:00 Uhr startet der Umzug von Kehrern, Rollern, Schellern, Rußlern, Spritzern, Sacknern uvm. vom Majenbrunnen zum Posthotel. Auch die Festwägen, die Karner und Sängergruppen sind zu sehen. Alle Masken versammeln sich im Hotel Post und der Vorplatz ist mit tausenden Zusehern gefüllt. Mit dem Läuten der Glocke um 12:00 Uhr beginnt auch in Nassereith offiziell die Fasnacht. Gruppe für Gruppe zieht aus dem Hotel und nimmt am Postplatz um einen Schneepodest Aufstellung. Höhepunkt und wohl einzigartig in Nassereith ist dann der Kampf zwischen Bärentreiber (Winter) und Bär (Frühling). Zuerst gehorcht der Bär noch seinem Treiber und vollführt einen „Purzelbaum“ vorwärts und rückwärts. Dann aber fällt der Bär über den Treiber her und alle Masken sind in Bewegung, da der Winter nun besiegt wurde. Im Anschluss folgt noch der Hexenschwur, wobei eine Hexe dem Schwur nicht Folge leistet und eingesperrt wird. Es folgt der farbenprächtige Umzug mit über 450 Teilnehmern durchs Dorf und in der Sonne glitzern die seidenen Gewänder in voller Pracht. Punkt 18:00 Uhr endet das Schellerlaufen mit dem Betläuten. Der Fasnachtsmontag gehört dann den Nassereithern allein.

Imst
Imst
Thaur
Thaur