Ostern – Das Fest aller Feste

Brauchtum, Glaube und Kultur mit dem Tiroler Seniorenbund


Ostern ist das höchste Fest im gesamten Jahr und hat viele Feier- und Gedenktage. Der Osterfestkreis beginnt mit dem Aschermittwoch und dauert bis zum Pfingstfest. Er unterteilt sich in die Fastenzeit oder auch österliche Bußzeit genannt und in die österliche Festzeit, die mit der Feier der Osternacht beginnt. Höhepunkt ist die Feier der Karwoche mit dem Palmsonntag, dem Gründonnerstag, dem Karfreitag, dem Karsamstag und den Osterfeiertagen. Aber auch die Feiertage Christi Himmelfahrt und Pfingsten gehören zu den österlichen Festtagen. Im Grunde zählt auch das Fronleichnamsfest mit seinen Prozessionen dazu, da dieses Fest eng mit dem Gründonnerstag verbunden ist. An Ostern feiern wir die Auferstehung Christi und damit das Leben.  In Tirol ist viel Brauchtum mit dem Osterfest verbunden. Der Tiroler Seniorenbund hat dazu eine kurze Übersicht des österlichen Brauchtums für Sie zusammengestellt.:

Reiches und buntes Brauchtum rund um das große Osterfest

Wie schon erwähnt beginnt mit dem Aschermittwoch die Fastenzeit und somit die Zeit der Vorbereitung auf Ostern. Der Aschermittwoch ist bei Katholiken ein strenger Fasttag und bei den Gottesdiensten wird Asche auf das Haupt gestreut. In vielen Gemeinden wird an diesem Tag auch die Fastensuppe ausgegeben und die Spenden kommen einen karitativen Zweck zu. In den Kirchen gibt es zudem den Brauch der Fastentücher, welche unterschiedlich gestaltet sind. Die liturgische Farbe der Fastenzeit ist violett. Der erste Fastensonntag wird im Tiroler Oberland auch „Kassonntag“ oder „Funkensonntag“ genannt. In einigen Orten wird das Funkenfeuer entzunden und es gibt den Brauch des Scheibenschlagens. Dabei wird eine glühende Holzscheibe schwungvoll in den nächtlichen Himmel geworfen und dabei meist ein kurzer Spruch aufgesagt.

Eine besondere Auferstehung erlebten in der letzten Zeit die Fastenkrippen. Diese zeigen Szenen aus dem Kreuzweg, darüber hinaus aber auch den Einzug in Jerusalem, das Letzte Abendmahl und natürlich die Auferstehung. Mittlerweile findet man Fastenkrippen in ganz Tirol. Eine Besonderheit gibt es in Telfs. Dort kann man ab dem 2. Sonntag in der Fastenzeit sowie am Karfreitag eine bewegliche Krippe in der St. Moritzen-Kapelle besuchen. Die Kapelle ist jeweils nachmittags geöffnet. Bekannt ist auch die alte Fastenkrippe in Götzens, welche vom Aschermittwoch bis zum Karsamstag in der Pfarrkirche besichtigt werden, kann. Eine besondere Fastenkrippe findet man im Krippenmuseum in Imst. Diese kann jährlich am Gründonnertag und Karfreitag ganztägig in der Nähe der Johanneskirche besucht werden. Weitere Fastenkrippen findet man aber auch in Wörgl, im Krippenmuseum von Nassereith, in der Pfarrkirche Zirl, in der Innsbrucker Spitalskirche und in der Romedikirche von Thaur. Aber auch in zahlreichen Tiroler Haushalten findet man verschiedenste Fastenkrippen oder kleine Nachbauten von Ostergräbern.

In vielen Kirchen und Kapellen wird in der Fastenzeit gerne der Kreuzweg gebetet. Dieser hat 14 Stationen und die Bilder befinden sich innerhalb der Kirche. In der Wallfahrtskirche Dormitz und in der Pfarrkirche von Sellrain befinden sich die Kreuzwegstationen außerhalb der Kirche. Nicht zu vergessen sind die vielen Kalvarienberge, welche in der Fastenzeit ebenfalls gerne besucht werden.

Die Karwoche beginnt dann mit dem Palmsonntag. Im gesamten Land finden farbenfrohe Prozessionen statt und erinnern an den Einzug Jesu in Jerusalem. Die Mädchen nehmen mit ihren bunten Sträußen teil und die Burschen mit ihren „Palmstangen“ oder „Palmlatten“. In der Bezirkshauptstadt Imst sind die „Palmlatten“ besonders hoch und es gibt einen regelrechten Wettkampf. In Thaur gibt es nachmittags sogar eine Prozession mit einem Palmesel. Dabei wird eine Figur aus Holz mitgezogen die Jesus auf einen Esel reitend darstellt. Diese Prozession ist besonders sehenswert und eindrucksvoll. Aber auch in benachbarten Städtchen Hall findet man einen geschnitzten Palmesel bei der vormittäglichen Prozession. Wichtig sind an diesem Tag auch die Palmbrezen die je nach Ortschaft süß, aber auch mürb sind. Diese geweihten Brezen sind fixer Bestandteil der sonntäglichen Jause an diesem besonderen Festtag.

Nicht wegzudenken sind in der Karwoche die Heiligen Gräber. Seit Kindertagen verzaubern die bunten mit Wasser gefüllten Glaskugeln Jung und Alt und erzeugen eine ganz besondere Stimmung. Im Alpenraum, aber ganz besonders in Nord-, Süd- und Osttirol sowie im bayerischen Raum, kennt man das Heilige bzw. Ostergrab in ganz einer besonderen Form in unseren Kirchen und Kapellen, aber auch im eigenen Haus. Die Tradition ist heute lebendiger denn je und gehört fest zum kirchlichen, aber auch gesellschaftlichen Brauchtum im Jahresablauf. Viele dieser Gräber besitzen verschiedenste Szenen vom Abendmahl, über die Todesangst am Ölberg, die Geißelung und Kreuzigung, dann natürlich die Grablegung und als Höhepunkt die Auferstehung des Herrn, als wahrer Triumpf des Lebens – augenscheinlicher kann das Osterwunder wohl kaum dargestellt werden. Die Ostergräber sind meist in der Karwoche, besonders aber an den eigentlichen Kartagen von Gründonnerstag bis zum Karsamstag, aufgestellt und laden zur Betrachtung ein. Örtlich sind diese aber auch in der gesamten Osterwoche (Osteroktav) noch aufgestellt.

Am Gründonnerstag wird in vielen Haushalten etwas Grünes serviert. Der Renner an diesem Tag ist Spinat mit Kartoffeln und Spiegelei. Der Gründonnerstag hat aber nichts mit der Farbe Grün zu tun, sondern leitet sich vom mittelhochdeutschen Wort „greinen“, was weinen bzw. wehklagen bedeutet. Der Karfreitag ist für Katholiken wie der Aschermittwoch ein strenger Fasttag. Für evangelische Christen ist der Karfreitag im Gegensatz zu den Katholiken ein Festtag, an dem nicht gefastet wird.

In einigen Orten Tirols gibt es am Karfreitag noch eine Karfreitagsprozession. Darunter zählen Telfs, Arzl im Pitztal, Thaur und Nauders. In Nauders nimmt sogar die Musikkapelle teil und spielt Trauermärsche. Bei der erwähnten Prozession die immer um 15:00 Uhr stattfindet, wird der Leichnam Jesu durch den Ort getragen, gefolgt von einer Statue der weinenden Mutter Gottes.
Am Karfreitag sowie am Karsamstag schweigen in Tirol die Glocken. Dafür kommen an diesen Tagen die Ratschen in Gebrauch. Dies sind Holz- Instrumente, die für knarrenden Lärm sorgen. Dies Aufgabe wird gerne von den Kindern wahrgenommen.

In einigen Orten Tirols, vor allem im Unterland gibt es am Karsamstag den Brauch der Grabwache, wie etwa in Schwaz, Hall oder St. Johann. Hier stehen zwei oder mehrere Schützen der jeweiligen Heimatgemeinde beim Grabe Jesu symbolisch Wache. Dazu ist auch in vielen Orten das Allerheiligste mit einem weißen Schleier als Symbol für die Trauer ausgesetzt. Am Abend des Karsamstages oder auch in den frühen Morgenstunden des Ostersonntages wird auch das Osterfeuer entzündet und geweiht und es findet die Feier der Osternacht, die auch als Nacht der Nächte bezeichnet, wird statt. Mit dieser Feier endet die Fastenzeit und Ostern, das höchste Fest der Christen wird gefeiert.

Nicht wegzudenken ist an Ostern auch die Speisenweihe. Diese findet in der Osternacht und am Ostersonntag, mancherorts auch noch am Ostermontag statt. In Tirol gehören unter anderem in einem „Speisekorb“: Ostereier, Fleisch, Geräuchertes und natürlich auch etwas Süßes. Über den Korb kommt noch ein kunstvolles gesticktes Tuch als besondere Dekoration für den Osterkorb.

Natürlich gehört der Osterhase am Ostersonntag in Tirol fest zum Tiroler Brauchtum und erfreut zahlreiche Kinderherzen mit Vorfreude und Spannung. Am Ostersonntag gibt es in Tirol auch den Gotlpack. Natürlich zählt Ostern neben Weihnachten zu den großen Familienfesten im Jahresablauf. In Innsbruck, St. Johann und Hall gibt es vor Ostern sogar einen eigenen Ostermarkt mit vielen Dekoartikeln und Geschenken für das Osterfest.  Nichtwegzudenken sind in unseren Stuben und Wohnungen die Ostersträuße. Dazu werden meist Palmkätzchen, Buchs bzw. anderes Grünzeug verwendet und in eine Vase gegeben. Der Strauß wir dann mit bunten Eiern geschmückt. Das Ei gilt seit Jahrhunderten als Symbol des Lebens. 

In den Orten Absam und Arzl bei Innsbruck findet am Ostermontag eine feierliche Prozession mit Musikkapelle, Schützen und zahlreichen weiteren Vereine statt. Dabei wird wie an Fronleichnam oder Herz Jesu das Allerheiligste unter einem Himmel (Baldachin) durch den Ort getragen.

In unserem Landesbüro können in den Auslagen von 1. März 2026 bis zum Weißen Sonntag am 12. April 2026 Fasten- bzw. Osterkrippen des Tiroler Krippenverbandes betrachtet werden. 

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